Der Białowieża-Urwald ist ein Waldgebiet, das an beiden Seiten der polnisch-weißrussischen Grenze liegt. Der östliche Teil bildet den Nationalpark „Bieławieżskaja Puszcza”. 16% des polnischen Teils von dem Białowieża-Urwald bildet der Białowieża-Nationalpark. Ein glücklicher Lauf der Geschichte, die Wahrung des Urwaldes als königlichen, und im 19. Jahrhundert als zaristischen Jagdrevier führte dazu, dass Białowieża unter einem speziellen Schutz stand – u.a. wurde Białowieża nicht kolonisiert – was keine Siedlungen und Rodenen bedeutete.
Der Białowieża-Urwald ist der letzte primäre Wald in Europa, der sich schon seit Jahrhunderten in der Laub- und Mischwaldzone befand. Die große, biologische Verschiedenheit ist für ihn charakteristisch. Alte Waldbestände des Białowieża-Urwaldes und Białowieża-Nationalparks zeichnen sich durch den Überfluss am leblosen Holz in unterschiedlichen Zerfallsstadien und durch die Anwesenheit der Gattungen, die für Naturwälder typisch sind, aus.
Der Białowieża-Nationalpark ist das einzige Naturobjekt in Polen, das von UNESCO auf die Welterbeliste eingetragen worden ist. Er bildet auch den wichtigsten, zentralen Teil des Biosphärereservates Białowieża.
Der Białowieża-Urwald, in dem sich seit etlichen Jahren mehrere Kulturen u.a. polnische, litauische, weißrussische und ukrainische treffen, wurde zu einem eigenartigen Tiegel, dem wir die Möglichkeit verdanken, das harmonische Zusammenleben verschiedenen Gläubigern und das Eindringen von materiellen Kulturen bewundern zu können.
Der Wisent
Das Kennzeichen der beiden Nationalparken (polnischen und weißrussischen) ist ein Wisent – der größte Säugetier in Europa. Der Białowieża-Urwald erwies sich als der letzte Stand der europäischen Bisons. Anfang dieses Millenniums kamen Wisente in den Wäldern derzeitiges Europas oft vor und machten die höchsterwünschte Jagdbeute aus. Im Mittelalter war die Wisentejagd in einigen Ländern Europas, auch in Polen und in Deutschland, das königliche Privileg. In Polen findet man die erste Anmerkung bezüglich der Schutz der Wisente in dem Litauischen Statut (16 Jh.), und der König Zygmunt August hat ein Gesetz eingeführt, in dem es stand, dass die Wisentejagd ohne königliches Erlaubnis mit einer Todesstrafe bedroht war.
Im Frühling 1919 wurde der letzte Wisent des Białowieża-Urwaldes getötet. Nur Wisente aus geschlossenen Zuchten – Tiergärten – überlebten. Der erste Schritt zur Restitution von Wisenten in ihrer natürlichen Umgebung wurde im Jahr 1929 getan, wenn im Białowieża-Urwald ein Tiergarten für europäische Bisons entstand. Die positive Entwicklung der Restitutionszucht in Białowieża nach dem 2. Weltkrieg erlaubte die Eröffnung einer freien Zucht. 1952 wurden die ersten Wisente im polnischen Teil des Białowieża-Urwaldes freigelassen. Zurzeit befindet sich im Urwald die größte Population der freilebenden Wisenten der Welt. In dem polnischen Teil sind es ungefähr 450, und in dem ganzen Urwald – rund 800 Tiere.






